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Lastverteilungsplan erstellen: Schritt für Schritt

Sechs Schritte vom Fahrzeugausweis zum geprüften Ladeplan — mit zwei durchgerechneten Beispielen: ein 7,5-Tonner mit einer schweren Maschine und ein Sattelzug mit 24 Paletten, voll und als Teilladung.

Aktualisiert am 27. Oktober 2026 · Herausgeber: Tourcargo GmbH (Lademeister), Bottighofen TG

Ein Lastverteilungsplan (LVP) zeigt für ein konkretes Fahrzeug, wie viel Gewicht an welcher Stelle der Ladefläche stehen darf, damit keine Achse überladen wird und die Antriebsachse ihre Mindestlast behält. Die Kurve selbst liefert der Hersteller; die Methodik, mit der sie entsteht und mit der du eine Ladung dagegen prüfst, beschreibt VDI 2700 Blatt 4. Was ein LVP ist und wie das Hebelgesetz funktioniert, steht ausführlich unter Achslast berechnen; hier geht es um das Vorgehen.

Die sechs Schritte

1

Fahrzeugdaten erfassen

Aus Fahrzeugausweis bzw. Zulassungsbescheinigung und den Herstellerangaben brauchst du: Leer-Achslasten vorne und hinten, zulässige Achslasten, zulässiges Gesamtgewicht, Radstand und die Lage der Vorderachse zur Stirnwand (sie liegt meist vor der Ladefläche, also mit negativem Mass). Beim Sattelzug kommen dazu: Leer-Sattellast und Leer-Achslast des Aufliegers, Abstand Königszapfen zur Stirnwand und zur Mitte des Achsaggregats, sowie das Sattelvormass der Zugmaschine. Die gesetzlichen Obergrenzen je Land findest du unter Zulässige Gewichte und Achslasten — es gilt immer der tiefere Wert im Ausweis.

2

Packstücke mit Gewicht und Schwerpunkt erfassen

Für jedes Packstück: Gewicht und Position des Schwerpunkts, gemessen ab Stirnwand. Bei gleichmässig gefüllten Paletten liegt der Schwerpunkt in der Mitte des Packstücks; bei Maschinen mit schwerem Motorblock oder stehenden Rollen nicht — frage nach oder schätze konservativ. Mehrere gleiche Paletten hintereinander darfst du als eine Last mit gemeinsamem Schwerpunkt rechnen.

3

Achslasten nach dem Hebelgesetz rechnen

Jedes Packstück ist eine Punktlast auf einem Balken, der auf zwei Stützen liegt — den Achsen. Es verteilt sein Gewicht im umgekehrten Verhältnis der Abstände:

Anteil Vorderachse = Gewicht × (Abstand Schwerpunkt → Hinterachse) ÷ Radstand
Anteil Hinterachse = Gewicht − Anteil Vorderachse

Alle Anteile addieren und die Leer-Achslasten dazuzählen. Liegt der Schwerpunkt hinter der Hinterachse, wird der Vorderachsen-Anteil negativ: Die Last hebt vorne an. Beim Sattelzug rechnest du in zwei Stufen — erst den Auflieger zwischen Königszapfen und Achsaggregat, dann die Sattellast über das Sattelvormass auf Vorder- und Antriebsachse der Zugmaschine (Beispiel 2).

4

Mit den Grenzwerten vergleichen

Drei Prüfungen je Zustand: Jede Achslast ≤ zulässige Achslast laut Ausweis. Gesamtgewicht ≤ zulässiges Gesamtgewicht. Antriebsachse ≥ Mindestlast — in der Schweiz 25 % des Betriebsgewichts (VRV Art. 67 Abs. 4), in der EU im grenzüberschreitenden Verkehr 25 % des zulässigen Gesamtgewichts (RL 96/53/EG Anhang I Nr. 4.1). Beim Sattelzug zusätzlich: Die Sattellast darf nicht negativ werden, sonst hebelt die Ladung die Zugmaschine aus.

5

Umplatzieren und Teilladungen prüfen

Ist ein Wert überschritten, schwere Packstücke Richtung Achsen verschieben und neu rechnen; ist die Antriebsachse zu leicht, Gewicht nach hinten bzw. beim Sattelzug nach vorne über den Königszapfen. Bei mehreren Abladestellen wiederholst du Schritt 3 und 4 für jeden Zustand nach dem Abladen — was in Basel passte, kann in Bern falsch sein.

6

Ladeplan dokumentieren

Positionen, Gewichte, Achslasten und Gesamtgewicht festhalten und dem Fahrer mitgeben — zusammen mit dem Lastverteilungsplan des Herstellers, der im Fahrzeug liegen sollte. Ladungssicherung (Zurrkräfte, Formschluss) ist ein eigener Schritt nach EN 12195-1 und nicht Teil der Achslastrechnung.

Beispiel 1: 7,5-Tonner mit einer 2-t-Maschine

Koffer mit 7,5 m Ladefläche, Zahlen wie auf der Seite Achslast berechnen:

GrösseWert
Leer-Achslast vorne / hinten2 800 kg / 2 100 kg
Zulässige Achslast vorne / hinten (typisch)3 600 kg / 5 000 kg
Radstand4,30 m
Vorderachse liegt vor der Stirnwand1,50 m
Ladung: Maschine2 000 kg

Variante A — Schwerpunkt 1,0 m hinter der Stirnwand. Abstand zur Vorderachse 2,5 m, zur Hinterachse 4,3 − 2,5 = 1,8 m.

Anteil VA = 2 000 × 1,8 ÷ 4,3 = 837 kg → VA 2 800 + 837 = 3 637 kg (zulässig 3 600)
Anteil HA = 2 000 − 837 = 1 163 kg → HA 2 100 + 1 163 = 3 263 kg

Variante B — Schwerpunkt 3,5 m hinter der Stirnwand. Abstand zur Vorderachse 5,0 m, zur Hinterachse 4,3 − 5,0 = −0,7 m (der Schwerpunkt liegt hinter der Hinterachse).

Anteil VA = 2 000 × (−0,7) ÷ 4,3 = −326 kg → VA 2 800 − 326 = 2 474 kg
Anteil HA = 2 000 + 326 = 2 326 kg → HA 2 100 + 2 326 = 4 426 kg (zulässig 5 000)

Zweieinhalb Meter weiter hinten, und aus «Vorderachse überladen» wird «fahrbar». Die Hinterachse trägt in Variante B 64 % des Betriebsgewichts von 6 900 kg — als Antriebsachse mehr als genug.

Beispiel 2: Sattelzug mit 24 Paletten à 1 000 kg

Typische Grenzwerte wie im 3-Punkt-Modell: Antriebsachse 11,5 t, Auflieger-Dreifachachse 24 t, Gesamtgewicht 40 t. Die Leergewichte sind angenommene, typische Werte — im Ernstfall nimmst du die aus dem Ausweis.

GrösseWert
Zugmaschine leer: Vorderachse / Antriebsachse4 800 kg / 2 700 kg
Auflieger leer: Sattellast / Achsaggregat2 000 kg / 5 000 kg
Ladefläche Auflieger13,60 m
Königszapfen hinter der Stirnwand1,70 m
Mitte Achsaggregat hinter dem Königszapfen7,70 m
Verteilung der Sattellast auf Vorder- / Antriebsachse (Sattelvormass)15 % / 85 %

Zustand A — voll, 24 Paletten gleichmässig über 13,6 m. Gemeinsamer Schwerpunkt bei 6,8 m hinter der Stirnwand = 5,1 m hinter dem Königszapfen, also 7,7 − 5,1 = 2,6 m vor dem Achsaggregat.

Anteil Königszapfen = 24 000 × 2,6 ÷ 7,7 ≈ 8 100 kg → Sattellast 2 000 + 8 100 = 10 100 kg
Anteil Achsaggregat = 24 000 − 8 100 = 15 900 kg → Auflieger-Achsen 5 000 + 15 900 = 20 900 kg (zulässig 24 000)
Zugmaschine: VA 4 800 + 15 % × 10 100 ≈ 6 300 kg · Antriebsachse 2 700 + 85 % × 10 100 ≈ 11 300 kg (zulässig 11 500)
Betriebsgewicht 7 500 + 7 000 + 24 000 = 38 500 kg (zulässig 40 000) · Antriebsachse 29 % ≥ 25 %

Alles im Limit, die Antriebsachse mit 200 kg Reserve allerdings knapp. Zwei weitere Paletten im vorderen Drittel würden sie überladen, obwohl das Gesamtgewicht noch 1,5 t Luft hätte.

Zustand B — Teilladung nach der ersten Abladestelle: die vorderen 12 Paletten sind weg. Es bleiben 12 000 kg zwischen 6,8 und 13,6 m, Schwerpunkt bei 10,2 m hinter der Stirnwand = 8,5 m hinter dem Königszapfen, also 0,8 m hinter dem Achsaggregat.

Anteil Königszapfen = 12 000 × (−0,8) ÷ 7,7 ≈ −1 250 kg → Sattellast 2 000 − 1 250 = 750 kg
Auflieger-Achsen 5 000 + 13 250 = 18 250 kg
Zugmaschine: VA ≈ 4 910 kg · Antriebsachse 2 700 + 85 % × 750 ≈ 3 340 kg
Betriebsgewicht 26 500 kg · Antriebsachse 12,6 % < 25 %

Keine Achse ist überladen — und trotzdem ist der Zug so nicht sicher unterwegs: Die Antriebsachse trägt nur noch halb so viel wie vorgeschrieben, bei Nässe oder am Berg fehlt die Traktion. Richtig wäre, die hinteren Paletten zuerst abzuladen oder die Ladung so zu stellen, dass die verbleibende Ware vorne steht. Genau das meint Schritt 5.

Massgebend sind immer die Angaben des Fahrzeug- bzw. Auflieger-Herstellers — der Lastverteilungsplan im Fahrzeug, der Fahrzeugausweis und die Grenzwerte des jeweiligen Landes. Die Beispiele zeigen die Methode, nicht dein Fahrzeug.

Schritt 2 bis 5 übernimmt die App

Lademeister rechnet die Achslasten für jedes Packstück nach dem Hebelgesetz, zeigt Vorder-, Antriebs- und Aufliegerachse in Prozent des Zulässigen, warnt bei Überladung, negativer Sattellast oder zu geringer Antriebsachslast und platziert schwere Ware automatisch richtig. Deine Fahrzeuge mit den Werten aus dem Ausweis speicherst du als Vorlage; den Ladeplan gibt es als PDF für den Fahrer (Achslastberechnung ab Pro).

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Lastverteilung gleich im Ladeplan prüfen

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Häufige Fragen

Wer erstellt den Lastverteilungsplan?

Den fahrzeugspezifischen Lastverteilungsplan (die Kurve mit den zulässigen Lasten je Position) liefert der Fahrzeug- bzw. Aufbauhersteller. Verlader, Disponent und Fahrer prüfen die konkrete Ladung dagegen: Sie rechnen, wo wie viel Gewicht stehen darf, und dokumentieren das im Ladeplan.

Was steht in VDI 2700 Blatt 4?

VDI 2700 Blatt 4 «Ladungssicherung auf Strassenfahrzeugen — Lastverteilungsplan» beschreibt, wie ein Lastverteilungsplan aufgebaut ist und wie aus Leergewichten, Radstand und zulässigen Achslasten die zulässige Ladungsmasse in Abhängigkeit von der Schwerpunktlage ermittelt wird. Die Richtlinie ist beim VDI kostenpflichtig erhältlich.

Reicht es, den beladenen LKW zu wiegen?

Nein. Die Waage zeigt das Ergebnis erst, wenn die Ladung schon steht; umladen kostet dann Zeit. Ausserdem ändern sich die Achslasten bei Teilladungen nach jeder Abladestelle, ohne dass eine Waage dabei ist. Der Lastverteilungsplan verlagert die Prüfung in die Planung.

Macht Lademeister den Lastverteilungsplan automatisch?

Lademeister rechnet die Achslasten für jedes platzierte Packstück nach dem Hebelgesetz, zeigt Vorder-, Antriebs- und Aufliegerachse in Prozent des Zulässigen, warnt bei Überladung oder zu geringer Antriebsachslast und platziert schwere Ware automatisch achslastgerecht (Sattelzug und starre LKW, ab Pro). Den herstellerseitigen Lastverteilungsplan ersetzt das nicht; dessen Werte trägst du als eigenes Fahrzeug ein.

Planungshilfe ohne Gewähr — die Prüfung von Ladungssicherung, Achslasten und gesetzlichen Vorschriften obliegt dem Verlader bzw. Fahrer. Die Beispielwerte sind typische Werte von Standard-Fahrzeugen bzw. angenommene Leergewichte; massgebend sind die Angaben im Fahrzeugausweis des jeweiligen Fahrzeugs.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Diese Seite ist eine Planungshilfe und ersetzt keine Prüfung des konkreten Fahrzeugs; massgebend sind Fahrzeugausweis, Herstellerangaben und das jeweils geltende Recht.